WoW-Schamanen werden in D&D zu Barbaren – Entwickler erklären die Entscheidung

WoW-Schamanen werden in D&D zu Barbaren – Entwickler erklären die Entscheidung

Warum werden Schamanen in WoW-D&D ausgerechnet als Barbaren umgesetzt? Die Entwickler erklären Wut, Elementarmagie, Totems und die drei Spezialisierungen.

Was haben Schamanen und Barbaren gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht besonders viel. Die einen beschwören mächtige Elementarkräfte, schleudern Blitze auf ihre Gegner und kommunizieren mit den Geistern. Die anderen werden ziemlich wütend und hauen ihrem Gegenüber mit einer möglichst großen Waffe auf den Kopf. Zumindest ist das die Vorstellung, die viele Spieler von diesen beiden Klassen haben.

Doch im kommenden Dungeons-&-Dragons-Crossover mit World of Warcraft werden ausgerechnet die Barbaren als Grundlage für die Schamanen genutzt. Klingt erst einmal nach einer ziemlich seltsamen Entscheidung. Das wissen auch die Entwickler, die sich auf einer Pressepräsentation ausführlich zu dem Thema geäußert haben. Und tatsächlich ergibt die ungewöhnliche Kombination mehr Sinn, als man zunächst vermuten würde.

WoW-Schamanen als Barbaren? Thrall ist schuld!

Die Erklärung beginnt ausgerechnet bei einem der bekanntesten Charaktere von World of Warcraft: Thrall. Denn der ehemalige Kriegshäuptling der Horde war für die Entwickler offenbar ein ziemlich gutes Beispiel dafür, warum Schamanen und Barbaren gar nicht so unterschiedlich sind.

Senior Game Designer Ben Petrisor beschreibt Thrall als einen gewaltigen Muskelberg, der mit dem mächtigen Schicksalshammer durch die Gegend zieht. Und wenn man ehrlich ist, könnte man sich den Orc durchaus auch als klassischen Barbaren vorstellen. Zumindest dann, wenn man seine Verbindung zu den Elementen für einen Moment ausblendet.

Doch genau diese Verbindung ist der eigentliche Knackpunkt. Denn auch in D&D sind Barbaren nicht einfach nur wütende Muskelpakete, die möglichst fest zuschlagen. Einige ihrer Unterklassen beschäftigen sich bereits mit der Natur, Geistern und urtümlichen Kräften. Und damit bewegen sie sich gar nicht so weit von den Schamanen aus WoW entfernt.

Besonders wichtig ist dabei die sogenannte Wut des Barbaren. Die muss nämlich nicht zwangsläufig bedeuten, dass der Charakter vor Zorn völlig die Kontrolle verliert. Laut Petrisor kann sie auch das Anzapfen einer urtümlichen Macht darstellen, durch die der Barbar besondere Fähigkeiten erhält. Und wenn man sich einen Schamanen vorstellt, der die Kräfte der Elemente durch seinen Körper leitet, dann passt das plötzlich ziemlich gut zusammen.

Blitze, Lava und ein brennender Kriegshammer

Natürlich reicht es nicht aus, einem Barbaren einfach einen Hammer in die Hand zu drücken und ihn zum Schamanen zu erklären. Deshalb haben die Entwickler einige zusätzliche Möglichkeiten geschaffen, mit denen sich die Klasse an das bekannte Spielgefühl aus World of Warcraft anpassen lässt.

Insgesamt stehen dafür drei verschiedene Unterklassen zur Verfügung. Der Pfad des Weltenbaums stammt bereits aus dem regulären D&D-Spielerhandbuch. Mit dem neuen Pfad der Elemente und dem überarbeiteten Pfad des Geisterwächters kommen zwei weitere Optionen hinzu.

Damit lassen sich auch die drei bekannten WoW-Spezialisierungen abbilden. Elementar-Schamanen greifen auf den Pfad der Elemente zurück und schleudern ihren Gegnern unter anderem Eis, Lava und Blitze entgegen. Verstärker setzen auf den Pfad des Geisterwächters, um ihre Nahkampfangriffe zu verstärken und Geisterkräfte zu nutzen. Wiederherstellungs-Schamanen bedienen sich hingegen beim Pfad des Weltenbaums, um ihre Verbündeten zu unterstützen und vor Gefahren zu bewahren.

Und natürlich dürfen auch die Totems nicht fehlen. Dafür erhalten die Schamanen sogar eine eigene Klassenfähigkeit, die das sogenannte Urwissen des Barbaren ersetzt. Mit ihren Totems können sie beispielsweise Verbündete vor bestimmten negativen Effekten schützen oder die Bewegungsgeschwindigkeit ihrer Gegner verringern.

Wie sich das Ganze am Spieltisch anfühlt, konnte Lead Designer James Wyatt bereits selbst ausprobieren. Er spielt in seiner aktuellen D&D-Runde nämlich einen Schamanen und ist von der Umsetzung ziemlich angetan.

Wenn sein Charakter in Wut verfällt, beschreibt Wyatt, wie magische Energien um seinen Körper wirbeln. Anschließend schleudert er Eis, Lava und Blitze auf seine Gegner, bevor er mit seinem flammenüberzogenen Kriegshammer in den Nahkampf stürmt. Für ihn fühlt sich das tatsächlich wie ein Schamane aus World of Warcraft an.

Interessant ist übrigens auch eine kleine Bemerkung von Petrisor zur Geschichte der Klasse. Er erinnert daran, dass der Verstärker-Schamane im ursprünglichen WoW zunächst stärker in Richtung Tank gedacht gewesen sei. Tatsächlich gab es damals durchaus Möglichkeiten, als Schamane zumindest zeitweise die Gegner zu tanken. Eine vollwertige Tank-Spezialisierung entwickelte sich daraus allerdings nicht. So eindeutig auf die heutigen Rollen festgelegt war die Klasse also nicht immer.

Nicht jede WoW-Klasse lässt sich einfach in D&D übertragen

Die Schamanen sind dabei keineswegs die einzige Klasse, bei der sich die Entwickler etwas einfallen lassen mussten. Während Krieger, Schurken und Magier relativ problemlos auf ihre entsprechenden D&D-Gegenstücke übertragen werden konnten, war die Sache bei Todesrittern, Dämonenjägern und Schamanen deutlich komplizierter.

Das liegt allerdings auch daran, dass die Entwickler gar nicht versuchen, World of Warcraft mit Würfeln nachzubauen. Stattdessen wollen sie Dungeons & Dragons in Azeroth spielen lassen. Dafür greifen sie auf die bestehenden D&D-Regeln zurück und erweitern sie um neue Fähigkeiten, Zauber und Unterklassen.

Ein Schamane muss am Spieltisch deshalb auch nicht exakt dieselben Möglichkeiten und Einschränkungen haben wie im MMO. Viel wichtiger ist den Entwicklern, dass sich die Klasse nach einem Schamanen anfühlt.

Petrisor ist jedenfalls davon überzeugt, dass die ungewöhnliche Kombination funktioniert. Besonders der neue Pfad der Elemente soll dem bekannten Spielgefühl aus WoW ziemlich nahekommen. Sobald man die Klasse selbst ausprobiert habe, würden viele der zunächst merkwürdig wirkenden Entscheidungen plötzlich Sinn ergeben.

Ob das tatsächlich so ist, werden die Spieler natürlich selbst herausfinden müssen. Ab dem 17. November 2026 soll das neue D&D-Buch regulär erhältlich sein. Aber zumindest dürfte die Vorstellung von Thrall als muskelbepacktem Barbaren mit Schicksalshammer für die meisten WoW-Fans gar nicht so abwegig sein.

Quelle: Buffed